Ärztliche Qualitätszirkel

Ärztliche Qualitätszirkel als Verfahren der Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung wurden etabliert auf der KBV-Vertreterversammlung am 3. Mai 1993 in Dresden. Dort wurden die "Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für Verfahren zur Qualitätssicherung (Qualitätssicherungsrichtlinien der KBV) gemäß § 135 Abs. 3 SGB V" beschlossen (veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt 90, 28.5.1993, C-1045-1048). Unter Verfahren zur Qualitätssicherung stehen dort Qualitätszirkel (an erster Stelle) neben Ringversuchen, Qualitätsprüfungen im Einzelfall (Stichproben) und Kolloquien. Aus diesem Nebeneinander wird deutlich, daß Qualitätszirkel hier als eines von mehreren (bürokratischen?) Kontrollinstrumenten verstanden werden. Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, daß der ganze Bereich der Dokumentation und ergebnisorientierte Verfahren der Qualitätssicherung (Erfolgskontrolle, Evaluation etc.) fehlen.

Derzeitige Versorgungssituation:

Qualitätszirkel haben sich als Methode der Qualitätssicherung seit ihrer Einführung durch Beschluß der KBV-Vertreterversammlung 1993 in Deutschland überall etabliert und sind als Instrument der Qualitätssicherung in Ihrer Bedeutung unbestritten. Zahlen über die Verbreitung sind nur lückenhaft, hier gibt es erhebliche regionale Unterschiede, die nicht erklärbar sind. (Belege in den unten genannten Studien)

Innerhalb des letzten Jahres ist durch die politische Überlagerung der Qualitätsdiskussion und die dadurch bedingte negative Besetzung des Qualitätsbegriffs die Bereitschaft eines großen Teils der Ärzte, in Qualitätszirkeln mitzuarbeiten, eher zurückgegangen. Entsprechend der rigorosen Grenzen zwischen den Versorgungsbereichen sind Qualitätszirkel vorwiegend auf niedergelassene Ärzte beschränkt (über Teilnahme von Ärzten aus dem Krankenhausbereich gibt es keine Daten; im stationären Bereich stehen auch andere Methoden der Qualitätssicherung im Vordergrund).

Eine wesentliche Bedeutung kommt Qualitätszirkeln im Zusammenhang mit Praxisnetzen und der integrierten Versorgung zu. Zum einen sind Praxisnetze teilweise aus bereits länger arbeitenden Qualitätszirkeln hervorgegangen, zum anderen verlangen die Praxisnetze von ihren Mitgliedern in der Regel die Mitarbeit in einem Qualitätszirkel (oder in mehreren). Praxisnetze (also die vertraglich geregelte Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten verschiedener Fachrichtungen) sind meiner Meinung nach allerdings lediglich eine Übergangserscheinung. Eine am Versorgungsbedarf orientierte Integration verlangt die Einbeziehung des stationären Bereiches (der Krankenhäuser), so daß in Zukunft vermehrt mit integrierten Versorgungsstrukturen unter Einbeziehung ambulanter und stationärer Leistungserbringer zu rechnen sein wird. Hierzu könnten sektorenübergreifende Qualitätszirkel (Hausärzte - Krankenhausärzte) einen wertvollen Beitrag leisten.

Zur Situation in Baden-Wüttemberg:

In Bereich der KV Baden-Württemberg gibt es ca. 1040 anerkannte Qualitätszirkel (Stand 9/2005). Die Teilnahmequote der Ärzte liegt damit im KV-Vergleich im oberen Drittel. Die allermeisten dieser Zirkel sind fachbezogen, nur wenige fachübergreifend. Allgemeinärztlich/hausärztlich sind davon höchstens 15 %. Die Zahl der hausärztlichen Qualitätszirkel des Hausärzteverbandes (HQZ) liegt bei 84. Inwieweit die bei der KV angemeldeten Qualitätszirkel tatsächlich nach den Empfehlungen arbeiten, ist nicht bekannt.

Ergänzung 2009: Nach dem Qualitätsbericht 2008 der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg existierten 2008 686 Qualitätszirkel. Den größten Anteil hat mit 209 die Fachgruppe der Psychotherapeuten. Danach folgen zahlenmäßig die Hausärzte mit 158 Qualitätszirkeln. Noch nicht erfasst sind hier die "Qualitätszirkel Pharmakotherapie", die im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung neu gegründet wurden. Das AQUA-Institut Göttingen betreut hier inzwischen 296 hausärztliche Pharmakotherapie-Qualitätszirkel, die sich allerdings teilweise noch in der Gründungsphase befinden. Mann kann jedoch davon ausgehen, dass durch die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung auch die ärztlichen Qualitätszirkel eine stärkeren Bedeutung erhalten werden.



 

Was ist ein ärztlicher Qualitätszirkel?

 

·        Eine Gruppe von 8 - 10 Ärzten

·        die sich verstehen

·        gleicher oder ähnlicher Fachrichtung

·        als fester Teilnehmerkreis

·        der sich regelmäßig zu festen Terminen trifft

 

 

 

 

Wie arbeiten Qualitätszirkel?

 

Ø   auf freiwilliger Basis

Ø   mit selbstgewählten Themen

Ø   erfahrungsbezogen

Ø   auf der Grundlage des kollegialen Diskurses (=peer review)

Ø   themenzentriert - systematisch

Ø   zielbezogen

Ø   Evaluation der Ergebnisse

Ø   kontinuierlich

Ø   mit Moderatoren

 

 




Die Qualitäts-Spirale


Leitlinien der KV-WL


Last updated at 07:34:00 10.22.09 (Thu)




Literatur:

Ärztliche Qualitätszirkel, Ferdinand M. Gerlach, Joachim Szecsenyi, Ottomar Bahrs 
Ärztliche Qualitätszirkel
Ferdinand M. Gerlach, Joachim Szecsenyi, Ottomar Bahrs


Aktualisiert: 22.10.2009 A-QZ Qualitätszirkel Pharmakotherapie


Artikel "Qualitätszirkel" der Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin


Qualitätssicherung - Qualitätszirkel, Leitlinie der KBV



Ärztliche Qualitätszirkel im Internet:

 


Arztpraxis Dr. Bilger    Zur Praxis hier clicken!     Qualitätsmanagement Zu QMG hier cklicken!     


© Dr. Stefan Bilger